Traditionen

Der Reichtum unserer künstlerischen Traditionen ist so groß, dass man als Künstlerin oft überwältigt ist. Die Beschäftigung mit der Tradition erfolgte bei mir immer schon theoretisch und praktisch zugleich. Eine intensive Reisetätigkeit seit vielen Jahren stützt das Studium der Kulturen. In meiner eigenen künstlerischen Tätigkeit kristallisierte sich die Auseinandersetzung mit zwei Bildtraditionen heraus: mit der christlichen Bildtradition und mit der Porträtkunst. Ich habe mich intensiv mit den Möglichkeiten religiöser Bildgestaltung in der heutigen Zeit auseinander gesetzt. Der Auftrag, einen Kreuzweg für Jugendliche und Erwachsene zu gestalten, führte dazu, mehr und mehr die Materialien meiner Bilder zum formalen und inhaltlichen Bezugspunkt zu machen. Im Vertrauen auf meine persönlichen Erfahrungen mit den Grundmaterialien: Erde, Sand, Lehm und Schamotte, gestaltete ich meine bildnerischen Kommentare zu den traditionellen christlichen Themen. Die theoretische Beschäftigung mit der Porträtkunst verschiedener Epochen gab den Anstoß, mich auch praktisch in dieser Kunst zu üben. Bei diesen Versuchen leitete mich nicht die Kenntnis und der Einsatz meiner Grundmaterialien, sondern das Experiment mit den digitalen Mitteln der Fotografie und ihrer Bearbeitung durch den Computer. Wenn ich eine Person porträtiere, nähere ich mich dieser Person zuerst in einem langen Gespräch. Anschließend wird eine Serie von Fotos gemacht. Nun erarbeite ich mit Hilfe des Computers eine verdichtete Bildversion, in die das Foto, die Ideen und Wünsche der Person mit einfließen. Auf diese Weise setze ich mich intensiv mit den zeitgenössischen Bildmitteln und ihrem Einsatz in unseren Medien auseinander. Das digital entworfene Bild wird nun mit einer bewusst gewählten Airbrush Technik als Leinwandbild umgesetzt. So kommt zuletzt noch einmal die „Handarbeit“ mit ins Spiel



Porträts